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Abschrift des Artikels „Spenden statt wegwerfen“ aus Engagiert für Werte, Magazin für gemeinnützige Organisationen vom Mai 2014

Spenden statt wegwerfen

Das junge Unternehmen Innatura sammelt neuwertige Waren, die sonst aus verschiedensten Gründen im Müll endeten – und verteilt sie an gemeinnützige Organisationen. Der Bedarf ist riesig, denn in dem reichen Land Deutschland sind Millionen von Armut bedroht. Die Bethmann Bank unterstützt diese wichtige Arbeit.

Die Situation mutet paradox an: In Deutschland werden täglich neuwertige Waren vernichtet oder landen auf dem Müll. Waren, die keineswegs defekt sind, sondern die lediglich einen kleinen Makel aufweisen, aus dem Sortiment genommen oder überproduziert wurden. Auf diese Weise bleiben jährlich Konsumgüter im Wert von sieben Milliarden Euro ungenutzt und werden vernichtet – obwohl eine immense Nachfrage besteht. Denn in Deutschland sind mehr als elf Millionen Menschen von Armut bedroht, und die meisten wissen nicht, woher sie die Güter des täglichen Bedarfs nehmen sollen.

Die ehemalige Unternehmensberaterin Dr. Juliane Kronen hielt diesen Zustand für inakzeptabel – und tat etwas dagegen: Sie gründete mit zwei ehemaligen Kollegen Innatura. Das Unternehmen sammelt überwiegend hochwertige Markenprodukte von Unternehmen und verteilt sie an gemeinnützige Organisationen. Denn diese kommen selbst nur schwer an die benötigten Waren und verfügen erst gar nicht über die notwendige Logistik für den Transport. Nun müssen sie sich lediglich bei Innatura registrieren und erhalten die Waren schließlich für eine geringe Vermittlungsgebühr, die deutlich günstiger ist als der alternative
Einkauf im Supermarkt, frei Haus geliefert.

Innatura profitiert bei seiner Arbeit von seiner Partnerorganisation In Kind Direct in Großbritannien. Das Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrungen und wurde von Prinz Charles gegründet, der auch die Schirmherrschaft für das internationale Netzwerk von In Kind Direct übernahm, dem Innatura angehört.

Der britische Thronfolger war auch gleich einer der ersten „Kunden“, denen die Dienste von Innatura zugutekamen: Als der Prinz von Wales im Juli 2013 Großvater wurde, schickte Juliane Kronen ein Paket mit Windeln ins Clarence House nach London und gab damit das Signal, dass Innatura nun operativ tätig ist. Das royale Dankeschön ließ nicht lange auf sich warten.

Seitdem ist Innatura für weitaus bedürftigere Adressen tätig geworden. Das Unternehmen vermittelte bislang Waren im Wert von mehr als 100.000 Euro an mehr als 60 Hilfsorganisationen, ob dies nun Kleidung oder Pflegeprodukte für Obdachlosenheime waren oder sogar Adventskalender mit Kondomen für eine Anlaufstelle für Zwangsprostituierte. Innatura sammelte auch Spielzeug für ein Kinderhospiz – sowie dringend benötigte Windeln. Denn in Deutschland bezahlen manche Krankenkassen pro Kind und Tag lediglich zwei Exemplare dieser eigentlich alltäglichen Ware. Die Tätigkeit von Innatura blieb auch nicht auf hiesige Einrichtungen beschränkt: Einige Spenden erreichten inzwischen sogar das syrische Flüchtlingslager Atmeh. Denn die Hilfe für die syrische Zivilbevölkerung liegt auch dem Schirmherrn von Innatura besonders am Herzen.

Juliane Kronen verfolgt ehrgeizige Ziele: In fünf Jahren will sie Sachspenden im Wert von 40 Millionen Euro vermittelt haben und 20 Mitarbeiter beschäftigen. Unterstützung erfährt sie dabei von der Bethmann Bank, die gleich mehrere Aufgaben übernimmt: Sie fördert Innatura finanziell und arbeitet daran, das Unternehmen noch bekannter zu machen. Darüber hinaus entwickelt die Bethmann Bank ein langfristig tragfähiges Finanzierungskonzept, denn die Geschäftstätigkeit der Plattform ist mit enormen Kosten verbunden. Dabei gibt es für soziale Unternehmen wie Innatura mehrere Möglichkeiten, wie sich Stiftungen oder auch private Investoren an ihrer Arbeit beteiligen können.

Jörg Ultsch, Leiter des Bereichs „Stiftungen und Non- Profit-Organisationen“, nennt als Option das Mission Investing: Es ermöglicht eine direkte unternehmerische Beteiligung, die neben einem finanziellen Ertrag auf einen gesellschaftlichen „Impact“ abzielt. Eine weitere Möglichkeit ist die Hebelspende: Dabei handelt es sich um eine Spende, die der Finanzierung eines Kredits als Eigenkapital des Unternehmens dient. So finanziert ein kleinerer Betrag einen größeren. Auch eine Umsatzbeteiligung ist denkbar: Das Modell sieht vor, dass sich ein möglicher Investor und das Sozialunternehmen das unternehmerische Risiko teilen – und ebenso die Chance auf Rendite. Da dies von der Umsatzhöhe abhängt, wird die Rückzahlung für den Sozialunternehmer deutlich flexibler. Ein viertes Beispiel ist das Gesellschafterdarlehen, bei dem sich die Investoren als Mitgesellschafter engagieren.

Stiftungen können neben einer Beteiligung auch selbst ganz praktisch von der nachhaltigen Arbeit von Innatura profitieren. Schließlich können sie als gemeinnützige Organisationen ebenfalls über die Plattform Waren für ihre tägliche Arbeit beziehen. Die Büroartikel, Waschmittel oder Reinigungsprodukte, die von Innatura vermittelt werden, tragen somit dazu bei, die Betriebskosten der jeweiligen Stiftung zu reduzieren und die eingesparten Mittel für den eigentlichen Stiftungszweck zu verwenden. Zusätzlich ist Innatura auf Spenden und Fördermittel angewiesen. Die finanzielle Unterstützung durch Stiftungen kommt dann mittelbar und sehr effizient den eigentlichen Zielgruppen der jeweiligen Stiftungsarbeit zugute. Denn dank Innatura können genau diese Zielgruppen die Wirkung ihres Budgets mindestens verfünffachen – da sie für die vermittelten Waren nur ein Fünftel des Ladenpreises bezahlen. Ein gutes Argument, Innatura zu unterstützen und erfolgreich zu machen.

Weitere Informationen über Innatura sind erhältlich unter www.innatura.org.
Interessierte können sich auch direkt an das soziale Unternehmen wenden per Mail an team@innatura.org oder per Telefon unter 0221 406 99 75.

Engagiert für Werte – Magazin für gemeinnützige Organisationen, herausgegeben von der Bethmann Bank AG (externer Link, öffnet in einem neuen Tab), Ausgabe Mai 2014