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Abschrift des Artikels „Kleine Fehler bewirken das Richtige – Die Firma Innatura vermittelt unverkäufliche Waren an Hilfsorganisationen – Für die Idee ausgezeichnet“, im Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Sieg-Journal, vom 8. September 2015

Von Andreas Helfer

Auf der ganzen Welt findet Innatura Abnehmer für Produkte: Die Troisdorfer Projekt vermittelt unverkäufliche, aber einwandfreie Waren an Hilfsorganisationen.

Ein Weg aus der Wegwerfgesellschaft eröffnet sich an der belgischen Allee in Spich: Regal über Regal türmen sich in der Halle der Innatura gGmbH Kartons mit Windeln, Shampoo, Waschmitteln, Rucksäcken, Spielzeugen, kleinen Gebinden und ganze Paletten, die alle eines gemeinsam haben: Die Waren sind einwandfrei, haben aber eine kleine Besonderheit, die sie unverkäuflich macht. Das kann ein falsch gedrucktes Etikett sein oder ein Saisonartikel aus dem Sommer, der schon im Herbst nicht mehr an den Kunden zu bringen ist.

Doch Innatura findet Abnehmer, auf der ganzen Welt. Die seit zwei Jahren aktive Firma stellt den Kontakt zu Hilfsorganisationen her, die die Waren, die sonst auf dem Müll gelandet wären, dringend brauchen. Jetzt wurde Innatura von der Initiative „Land der Ideen“ und der Deutschen Bank als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen ausgezeichnet. Firmensitz ist Köln, in Troisdorf öffnete aber das Lager zu einem Tag der offenen Tür.

2011 ONLINE-PLATTFORM GEGRÜNDET

Für Geschäftsführerin Juliane Kronen war ein Erlebnis aus dem Jahre 2011 ausschlaggebend, eine „Online-Plattform zur Vermittlung fabrikneuer Sachspenden“ zu gründen: Sie arbeitete für eine Unternehmensberatung, als ein Kollege fragte, ob sie einen Abnehmer für 200 000 Flaschen fabrikneuen Shampoos mit einem Etikettierungsfehler wisse. „Das war der Moment, in dem ich ins Nachdenken“, erinnert sie sich. „Das passiert doch permanent.“ Sie schaffte sie es trotz aller Bemühungen nicht, die Flaschen vor der Vernichtung zu retten. Aber sie startete das Projekt Innatura.

Heute hat die Gesellschaft neun Mitarbeiter, die seit 2013 Sachspenden im Wert von mehr als drei Millionen Euro vermittelt haben, an fast 4000 gemeinnützige Organisationen. Diese zahlen eine Vermittlungsgebühr: Etwa einen Euro für ein Babyfläschchen eines namhaften Herstellers, drei Euro für eine Marken-T-Shirt oder 15 Euro für eine Jeans. Zwischen fünf und 20 Prozent des Verkaufspreis würden fällig. So könne Innatura einen Teil der Betriebskosten decken.

ORGANISATIONEN WERDEN GENAU GEPRÜFT

„Wir sind aber nicht die Resterampe für billiges Einkaufen“, betont die Geschäftsführerin. Die interessierten Organisationen würden genau geprüft, auch damit keine Produkte auf dem Schwarzmarkt landen. Sinn sei es, den Hilfsorganisationen Geld einzusparen, das an anderer Stelle besser investiert sei. 25 Firmen gehören zu den Spendern, darunter DM, Beiersdorf, Procter & Gamble und Amazon.

Verschiedenste Mengen aller Größen wurden in Troisdorf schon auf den Weg gebracht, 18 Paletten mit Windeln für ein Flüchtlingslager in Indien ebenso wie 100 Heftpflasterstreifen für Ärzte, die kostenlos Obdachlose behandeln. Kinderwagen, Fahrräder, Fernseher und sogar 15 Billardtische für Jugendheime wurden schon gespendet.

Auch Erstausstattungen für den Sport, inklusive Schuhen, Kosmetikartikeln und Deutschlandtrikots, stellten die Mitarbeiter zusammen, deren Dienste angesichts steigender Flüchtlingszahlen derzeit besonders gefragt sind.

„Wir sind nicht die Eigentümer der Ware.“ Auch darauf legt Krone Wert. Innatura habe eine Treuhänderfunktion und verstehe sich als Drehscheibe für die Waren. In Großbritannien gibt es mit „In Kind Direct“ ein Vorbild für die Gesellschaft, gegründet von Prinz Charles. Allerdings haben die Briten einen großen Vorteil gegenüber den deutschen Kollegen: Auf der Insel sind Sachspenden von der Umsatzsteuer befreit.“ Das fordert Kronen auch für Deutschland: Sonst bleibe es billiger, Erzeugnisse abzuschreiben und zu vernichten als zu spenden. Selbst dann, wenn eine Spendenbescheinigung ausgestellt wird.

Der Prince of Wales wurde 2013 ebenfalls von Innatura beliefert: Als er Juli 2013 Großvater wurde, sandte Juliane Kronen ein Paket mit Windeln, als Signal, dass die Gesellschaft das operative Geschäft aufgenommen hatte. Der britische Thronfolger ist Schirmherr eines internationalen Netzwerks, dem In Kind Direct wie auch Innatura angehören.

www.innatura.org