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In Ausgabe 24-2015 vom 11. November 2015 stellt das Frauenmagazin „Brigitte“ unter der Rubrik „Die Stunde der Frauen“ innatura und unsere Geschäftsführerin Dr. Juliane Kronen vor. Welche Rolle die Sachspenden von innatura für Flüchtlinge spielen verdeutlicht das Zitat: „Neulich hat ein Vater gesagt, dass er das Rasiergel von zu Hause kennt. Es war eine vertraute Sache in einem sonst völlig fremden Land.“ Eine Creme ist eben nicht nur ein Pflegeprodukt!

Abschrift des Artikels „Die Stunde der Frauen: Juliane Kronen verteilt Hoffnung in Shampooflaschen“ von Alexandra Zykonov in Brigitte 24-2015 vom 11. November 2015

Alles beginnt mit Shampooflaschen. Ein Hersteller muss sie loswerden, weil sie falsch beschriftet sind. Er möchte sie nicht wegwerfen, will aber auch kein Lager dafür blockieren. Juliane Kronen setzt sich sofort ans Telefon.

Es ist 2009 und Kronen ist deutsche Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Durch einen Kollegen hört die heute 52-Jährige von dem Shampoo. Sie ist gut vernetzt, berät in ihrem Job auch Hilfsorganisationen. Der Hersteller gibt ihr zwei Tage Zeit. Doch auch nach vielen Telefonaten findet sie so schnell keinen Abnehmer, die Flaschen werden verbrannt.

Jedes Jahr werden in Deutschland Produkte im Wert von sieben Milliarden Euro vernichtet. Weil sie einen Druckfehler haben, nicht verkauft wurden oder das Marketing ein neues Logo entworfen hat und die alte Verpackung über Nacht aus den Regalen muss. Vielen Firmen fehlen die Logistik und das Netzwerk, um die Waren zu spenden. Genau diese Lücke will Kronen schließen. 2011 rief sie „innatura“ ins Leben, ein Unternehmen, das NGOs und Firmen mit überschüssiger Neuware zusammenbringt.

Kronen hat einen Doktor in BWL, 16 Jahre war sie bei Boston Consulting. Sie erklärt präzise, verliert keine Zeit, ist ein Zahlenmensch mit viel Sinn für soziale Projekte. Doch vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit haderte sie zunächst. „Ich wusste, dass ich das nicht nebenberuflich machen kann“, sagt sie. Das war ein kompletter Neuanfang. „Willst du das? Deinen beruflichen Werdegang aufgeben? Dann habe ich tief Luft geholt. Und es gewagt.“

Sie entwickelt das Geschäftsmodell, sucht ein Lager, lässt eine Website bauen (www.innatura.org). Als die Anschubfinanzierung steht, geht „innatura“ 2013 an den Start. Das Geld kommt über ein Gesellschaftsdarlehen und von einem großen Investor, der auf Sozialunternehmen spezialisiert ist. Organisationen wie Caritas oder Malteser, aber auch kleine Hilfsvereine können im Onlineshop von „innatura“ aus mehr als 1.000 gespendeten Produkten wählen. Von Windeln über Kleidung oder Spielsachen bis hin zu Bohrmaschinen ist alles dabei. Die Vereine zahlen fünf bis 20 Prozent des Neupreises und geben die Sachen dann an Bedürftige weiter. Bis heute hat Kronen Waren im Wert von knapp zwei Millionen Euro verteilt.

Eine Drogeriekette spendete 14.000 übrig gebliebene Sonnenbrillen, 6.000 davon gingen nach Kambodscha, wo sie Kinder vor dem Grauen Star schützen. Und 13.000 Flüchtlingskinder freuten sich über Spielzeug eines großen Online-Warenhauses. „Ein Kosmetikhersteller spendet regelmäßig Cremes und Duschsachen, mit denen wir auch Flüchtlingswohnungen ausstatten“, sagt Kronen. „Neulich hat ein Vater gesagt, dass er das Rasiergel von zu Hause kenne. Es war eine vertraute Sache in einem sonst völlig fremden Land.“ Solche Geschichten machen sie besonders stolz. „Eine Creme ist eben nicht nur ein Pflegeprodukt.“

In Großbritannien gibt es eine Organisation wie „innatura“ schon seit Jahren. Sie heißt „In Kind Direct“ und wurde 1996 von Prinz Charles aufgebaut. Kronen durfte den Prinzen 2014 persönlich kennenlernen. Sie überzeugte ihn, die Schirmherrschaft für „innatura“ zu übernehmen. Seitdem helfen die Briten bei der Mitarbeiterausbildung und der IT.

Zwar kann „innatura“ noch nicht alle Kosten decken, aber bereut hat Juliane Kronen ihren Schritt nicht. Als zweites Standbein betreibt sie mit ihrer Schwester ein kleines Familienunternehmen in dritter Generation. Die allererste „innatura“-Spende waren übrigens zwei Lkw-Ladungen voller Windeln. Das war im Sommer 2014, als Prinz Charles Großvater wurde. „Logisch, dass wir ihm eine Packung schicken mussten“, sagt Kronen und lacht. Der Prinz bedankte sich per Brief und schrieb, es sei ja sogar Biobaumwolle gewesen.