Home > Presse > Helfen mit ausgemusterter Markenware

Die Kölnische Rundschau berichtete in ihrer Ausgabe vom 13. September 2016 über innatura und unseren Tag der offenen Tür. Von Manfred Reinnarth.

Köln – Rund 2000 verschiedene Artikel hat die innatura gGmbH in Westhoven auf Lager. Die Hersteller haben sie ausgemustert – weil sie überzählig waren, falsch verpackt oder nicht ganz voll. Spenden statt wegwerfen lautet das Konzept. Wie die großen Handelskonzerne hält die gemeinnützige Firma den genauen Standort aus Angst vor Einbrechern geheim.
Die Wasch- und Reinigungsmittel, Büromaterialen, Spielzeuge, Kleidungsstücke oder Elektrogeräte, die hier auf 600 Quadratmetern verstaut sind, sollen allesamt einem guten Zweck dienen.
Wegbeschreibung bei der Anmeldung
Innatura vermittelt die völlig intakte Markenware gegen eine geringe Gebühr an soziale Organisationen. Zum „dritten Geburtstag“ der Firma soll es trotz des geheimen Orts am Donnerstag, 15. September, einen Tag der Offenen Tür geben. Wer dort zwischen 14 und 17 Uhr einen Eindruck von der Arbeit der Helfer erlangen möchte, muss sich allerdings per Mail unter team@innatura.org anmelden, um eine Wegbeschreibung zu erhalten.
Die Helfer von „Refugees Foundation e.V.“ kennen den Weg. Sie packten vor ihrer nächsten großen Tour zu einer ehemaligen Militärbasis in Alexandria in Zentralmakedonien, wo Flüchtlinge aus Idomeni festsitzen, Schuhe um. Adidas aus England hatte sie gestiftet.
Überzählige Ware. Zwei Helferinnen packten die Schuhe aus Kartons, prüften die Größenangaben und bündelten Paare mit Klebeband. „So sparen wir Transportvolumen und Geld“, sagte Daniela Neuendorf. „Inklusive Transport können wir so für 3,50 Euro einem Flüchtling neue Schuhe an die Füße geben.“
An den Hochregalen packt indes Mitarbeiterin Annette Wolter mit einem Kollegen Ware auf Bestellung in Kartons. Windeln, Waschmittel, Rasierer und Zahnpasta sind sehr begehrt. „Etwa 40 Prozent liefern wir an die Kinder- und Jugendhilfe, zehn Prozent an Wohnungslose. Auch Beratungsstellen und Senioreneinrichtungen erhalten Ware. Etwa 20 Prozent wird für Projekte im Ausland verwendet.
So lieferte innatura Sonnenmilch für das Gambia-River-Projekt in Afrika, weil dort Sonnenmilch unerschwinglich ist. 600 Sonnenbrillen aus Köln halfen in Kambodscha Patienten nach Augenoperationen. „Das waren zwar chinesische Fabrikate, aber in dieser Qualität dort nicht zu erhalten“, berichtet Dr. Juliane Kronen von einer der kuriosesten Lieferungen. Sie ist Unternehmensberaterin und startete das Projekt 2011, als sie miterleben musste, wie 200.000 Flaschen fabrikneuen Shampoos nur wegen eines Etikettierungsfehlers vernichtet wurden. Sie will dazu beitragen dass solche Waren nicht auf dem Müll, sondern bei Bedürftigen landen.
2015 wurde innatura vom „Land der Ideen“ als „Ausgezeichneter Ort“ prämiert. „Seit dem Start von innatura im Juli 2013 haben soziale Organisationen durch unsere Spendenvermittlung mehr als vier Millionen Euro eingespart“, sagt Kronen.
Der Zufall beschert ab und an Puppen oder Staubsauger. Und selbst Werbeartikel finden reißenden Absatz.
– Quelle: http://www.rundschau-online.de/24730444 ©2016