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Abschrift des Artikels „Fördern ohne Geld: Von Sachspenden, Corporate Volunteering & Co“

Fördern ohne Geld: Von Sachspenden, Corporate Volunteering & Co

Auf seiner Frühjahrssitzung, die auf Einladung der GASAG Berliner Gaswerke AG in Berlin stattfand, beschäftigte sich der Arbeitskreis Kultursponsoring (AKS) mit
Möglichkeiten der nicht-monetären Kulturförderung. Friederike v. Reden befragt zwei Referentinnen der Tagung: Juliane Kronen, Gründerin der Spendenplattform
innatura, und Verena Reichl, Expertin für Sachspenden und Corporate Volunteering bei Roland Berger.

Juliane Kronen, Gründerin von innatura: „Spenden statt wegwerfen heisst die Alternative
Frau Kronen, Sie sind verantwortlich für innatura, eine Plattform zur unkomplizierten  Verteilung von Sachgütern. Bislang waren Geldspenden und Sponsorings deutlich verbreiteter als Sachspenden. Warum wird es Zeit, sich über dieses Thema mehr Gedanken zu machen?
Jedes Jahr werden in Deutschland Waren im Marktwert von über 7 Milliarden Euro entsorgt — Überproduktion, Restbestände, Sortimentswechsel, Fehletikettierungen, Musterstücke.
Ein Drittel dieser Produkte fällt in Warengruppen an, die dringend gebraucht werden, um die Arbeit gemeinnütziger Organisationen zu unterstützen — sei es, um die Artikel direkt an  Bedürftige zu verteilen (z.B. Spielzeug, Körperpflege), oder die Verwaltung einer Organisation kostengünstiger zu betreiben (z. B. Schreibutensilien, Werkzeug. Sachspenden sind eine attraktive Möglichkeit, als Unternehmen Gutes zu tun, darüber zu sprechen und zugleich verantwortlich mit Gütern umzugehen, die anderenfalls (teuer) entsorgt werden müssen.

Und weshalb werden trotz Überflusses auf der einen Seite und großen Bedarf auf der anderen Seite noch verhältnismäßig selten Sachspenden geleistet?
Trotz der grundsätzlichen Bereitschaft, Produkte einem guten Zweck zur Verfügung zu stellen, ›finden‹ sich Angebot und Nachfrage bislang nur in sehr geringem Umfang aus vielerlei Gründen. Zum einen wissen Unternehmen oft nicht, wo ihre Produkte am meisten benötigt werden. Vor allem Markenartikler fürchten zudem, dass ihre Produkte auf dem Schwarzmarkt auftauchen oder je nach Verwendung negative Imageeffekte entstehen. Zum anderen fallen  Spenden in unregelmäßigen Abständen an, dürfen dann aber keinen Lagerraum beanspruchen  und müssen schnell entsorgt werden — und Unternehmen befürchten, dass gemeinnützige Organisationen diese Flexibilität und Schnelligkeit nicht aufbringen können. Sachspenden in großem Stil müssen also in die ›Regelprozesse‹ im Unternehmen eingebettet sein, um effizient und regelmäßig geleistet zu werden. Auf Seiten der gemeinnützigen Organisationen mangelt es zumeist an hinreichenden logistischen Kapazitäten und sie können nicht alle Güter eines Spendes oder alle anfallenden Mengen selbst verwenden

Sie haben mit der Gründung von »innatura« — einer Institution zur unkomplizierten Umverteilung von  Sachgütern im großen Stil — einen Lösungsansatz geschaffen. Wie funktioniert innatura?
Gemeinnützige Organisationen können das beschriebene Spendenpotential alleine kaum erschließen. Innatura schließt diese Lücke, indem sie neuwertige Sachspenden von Unternehmen im großen Stil einwirbt und diese über eine eigene Logistikkette an  gemeinnützige Organisationen weiterverteilt. Registrierte gemeinnützige Organisationen in Deutschland mit kleinem Cash-Budget und fehlenden Kapazitäten für eigene Spendenakquise können dann — wie bei einem Online-Shopping-Portal — die gespendeten Waren für 15 – 20% des eigentlichen Marktwerts erwerben.

Und worin liegen dann ganz konkret die Vorteile für Unternehmen, die Sachspenden leisten?
Für Unternehmen eröffnet innatura eine neue Größenordnung, sich nachhaltig und  nutzenstiftend zu verhalten. Unsere Spenderunternehmen sparen Kosten, indem sie Produkte spenden, statt sie aufwendig zu entsorgen. Gleichzeitig erreichen sie ihre Umweltziele durch Vermeidung von Abfall. innatura berät sie bei einer ordnungsgemäßen umsatz- und  ertragssteuerlichen Behandlung und stellt Spendenbescheinigungen aus. Die Unternehmen  können sicher sein, dass ihre Marke geschützt und Missbrauch vermieden wird. Darüber  hinaus erhalten die Spenderunternehmen detaillierte Berichte über die Verwendung ihrer  Spenden, die sie für ihre Unternehmenskommunikation nutzen können.

Verena Reichl, Expertin Corporate Volunteering bei Roland Berger: „Eine deutliche Überschrift erhöht die Transparenz, erleichtert die Durchführung und die langfristige Entwicklung von Corporate Volunteering Programmen

Frau Reichl, Sie verantworten das Corporate Volunteering Programm bei Roland Berger. Immer mehr Firmen fördern neben Finanz-, Sach- und Dienstleistungen auch mittels Corporate Volunteering, also dem ehrenamtlichen Einsatz von Mitarbeitern. Was sind aus Unternehmensperspektive die Hauptgründe für diese Form der Unterstützung?
Hauptgrund ist sicherlich der, dass die Unternehmen damit den Erwartungen der Mitarbeiter nachkommen und sie stärker an sich als Arbeitgeber binden, Stichwort »employer branding«. Die Mitarbeiter fordern ein menschlicheres Unternehmen ein und hierzu gehört ganz klar Corporate Volunteering. Zudem bietet es die Möglichkeit, Dinge aus einem anderen  Blickwinkel zu sehen und vielleicht auch mutiger zu werden. Corporate Volunteering dient also auch der Weiterentwicklung der Mitarbeiter.

Von wem kommt im Allgemeinen die Initiative für ein derartiges Engagement, und welche Stelle im Unternehmen koordiniert die entsprechenden Aktivitäten?
Meines Erachtens geht die Initiative ca. zu 30 % von den Mitarbeitern aus und zu 70 % von den Unternehmen. In der Regel funktioniert das CV-Programm in den Unternehmen sehr gut, in denen auch der Vorstand eingebunden ist und eine klare Vision erkennbar ist. Dabei ist es
natürlich wichtig, das Interesse für diese Programme »auf allen Kanälen « im Unternehmen zu wecken. Bislang ist das CV meist bei der Personalabteilung, der Kommunikation oder Assistenz der Geschäftsführung aufgehängt und wird oftmals neben anderen Aufgaben  wahrgenommen.

[1] Dr. Verena Reichl und Kristina Dengler, Business Analysts Roland Berger Strategy
Consultants Holding GmbH, beim Corporate Volunteering [2] Marie-Stéphanie Radauer-
Plank (2. Preis), Marie-Claudine Papadopoulos (1. Preis) und Albrecht Menzel (Besondere
Anerkennung) beim Violinwettbewerb in München, Foto: Ralf Wilschewsky