Home > Presse > Die Zukunft im Blick – und im Geschäftsbericht (Die Zeit – 05.09.2013)

Abschrift des Artikels „Die Zukunft im Blick – und im Geschäftsbericht“ aus Die Zeit vom 05. September 2013.

Die Zukunft im Blick – und im Geschäftsbericht

Wie nachhaltiges Wirtschaften geht, zeigen ein Familienunternehmer, eine Gründerin und ein Konzernvertreter.

Cord Wöhlke ist seit 34 Jahren Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Iwan Budnikowsky, in der Metropolregion Hamburg liebevoll kurz »Budni« genannt. Die Mehrheit der Deutschen findet, dass Drogerien und Hersteller von Babynahrung ihre Geschäftebesonders nachhaltig führen. Warum das so ist, erklärt sich Wöhlke so: »Ohne Kinder haben wir alle keine Zukunft.« Aus diesem Grund seien genau jene Firmen besonders erfolgreich, die sich jetzt schon Gedanken darüber machten, wie die Welt in 15 Jahren aussehe.

»Unternehmen, die verantwortlich handeln, bieten auch die langfristig lohnenderen Investitionen«, sagte Horst Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Bethmann Bank, zur Eröffnung des ZEIT-Gesprächs über Nachhaltigkeit mit Unternehmern, Politikern und Wissenschaftlern im Restaurant Le Canard nouveau. »Die Bethmann Bank gibt es seit 300 Jahren, so lange wie den Begriff der Nachhaltigkeit. Auch in Zukunft ist es eine Herausforderung für uns und unsere Kunden, den nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Umfeld zu erhalten«, so Schmidt.

Was das konkret heißt, verdeutlichte Juliane Kronen am Beispiel der Sachspendenplattform Innatura, die sie gerade gegründet hat. Uwe Schreiner von Siemens erklärte, warum sich der Konzern als Marktführer grüner Technologie für einen vegetarischen Kantinentag entschieden hat: »Dadurch können wir so viel Kohlendioxid einsparen, wie 20 Autos ausstoßen würden, die im Jahr 20000 Kilometer fahren.«

So funktioniert Innatura

Sieben Milliarden Euro: So viel sind die Waren wert, die Unternehmen in Deutschland jedes Jahr vernichten, weil die Verpackung nicht perfekt aussieht oder eine Produktlinie vom Markt genommen wird. Falsch etikettierte Putzmittel oder Pakete mit eingedrückten Deckeln – es handelt sich dabei immer um neuwertige Produkte.

Wäre es nicht viel sinnvoller, alles zu spenden, was sonst in der Müllverbrennungsanlage landet? Das fragte sich die Beraterin der Boston Consulting Group Juliane Kronen aus Köln.

Mit zwei Kollegen gründete sie deshalb die Sachspendenplattform Innatura.

Unternehmen spenden die Ware, zahlen eine Vermittlungsgebühr, bleiben aber weiterhin Eigentümer und haften für ihre Produkte. Innatura findet in Deutschland registrierte gemeinnützige Organisationen, die die gespendeten Produkte brauchen, aber sonst nur schwer an solch hochwertige Waren in so großer Menge kämen. Vorbildorganisation ist InKindDirect in Großbritannien, eine Charity-Organisation von Prinz Charles. Sie stellt Innatura ihre 16 Jahre Erfahrung, Prozesse und IT-Systeme zur Verfügung. Die deutsche Sachspendenplattform möchte in fünf Jahren Waren im Wert von 40 Millionen Euro vermittelt haben.

Weitere Informationen unter:
www.innatura.org

»Spenden statt zerstören«

Wie man mit einer guten Idee noch mehr Gutes tun kann, zeigt die Geschichte von Juliane Kronen.

Frau Kronen, warum haben Sie nach 16 Jahren als Beraterin eine Plattform für Sachspenden gegründet? Eines Tages klingelte mein Telefon: 200000 Shampoo-Flaschen mit einem falschen Aufkleber standen auf dem Hof eines Herstellers, er wollte sie dringend loswerden und fragte: Können wir nicht etwas Gutes damit tun? Ich hatte schon viele Social-Impact- Projekte umgesetzt und wollte einen Weg finden, wie man dieses Shampoo sinnvoll vermitteln kann.

So ist Innatura entstanden? Ich habe mich mit zwei Kollegen bei einem Kölsch zusammengesetzt und überlegt. Die Unternehmen vernichten solche Waren normalerweise, weil sie keine geeigneten Empfänger kennen und damit sie nicht auf dem Schwarzmarkt landen. Auf der anderen Seite wissen Organisationen, die bestimmte Sachspenden brauchen, nicht, wie sie daran kommen und haben meistens nur wenig Lagerraum für so große Mengen. Also brauchten wir eine Plattform, um beide zusammenzubringen und vor allem die Logistik und Organisation.

Wie lange hat die Gründung gedauert? Zwei Jahre haben wir an dem Geschäftsmodell und der Finanzierung gearbeitet. Wir haben die Vorbildorganisation InKindDirect, eine Charity-Organisation von Prinz Charles, gefunden, die nach demselben Prinzip arbeitet. Unser erstes Lager haben wir in Troisdorf eröffnet, die erste Spende waren zwei Laster voller Babywindeln aus einer Auslaufproduktion. Die Bethmann Bank ist begeistert von unserem innovativen Ansatz und unterstützt uns mit einer umfassenden Partnerschaft.