Home > Presse > Ein Unternehmen gegen Verschwendung

Der Evangelische Pressedienst (epd) berichtete in seiner Zentralausgabe vom 9. November 2016 über innatura. Ein Beitrag von Miriam Bunjes.

Tonnen fabrikneuer Waren landen im Müll, weil sie falsche Etiketten haben oder ein paar Milliliter Inhalt fehlen. Um diese Verschwendung zu stoppen, gründete eine Unternehmerin eine Plattform, die diese Produkte an soziale Einrichtungen vermittelt.

Köln (epd). Paletten mit Deos, Windeln, Shampoo, aber auch Bohrmaschinen und Billardtische: In Juliane Kronens Lager in Köln-Westhoven stapeln sich die unterschiedlichsten Produkte – allesamt fabrikneu, unbeschädigt, Markenprodukte. Und trotzdem: „All diese Dinge wären entsorgt worden, weil sie zum Beispiel Etikettenfehler haben oder ihre Füllhöhe nicht stimmt“, sagt Kronen, die vor drei Jahren das gemeinnützige Unternehmen innatura gründete – damit genau das nicht geschieht. „In sozialen Organisationen werden diese Dinge ja dringend gebraucht und obendrein wurden für ihre Herstellung Ressourcen verbraucht“, sagt die innatura-Geschäftsführerin. Sie wegzuschmeißen, sei eine gigantische Verschwendung.

Das Kölner Unternehmen wirbt deshalb solche aussortierten Waren als Sachspenden bei Firmen ein und vermittelt sie über ihre Online-Plattform an gemeinnützige Organisationen-für eine Gebühr in Höhe von fünf bis 20 Prozent des Marktpreises. „Damit decken wir unsere Kosten“, sagt Kronen. „Wir übernehmen die gesamte Logistik für die Spender: Holen, sortieren und lagern die Produkte, beraten bei der Abwicklung und prüfen die Empfänger.“
Die Empfänger können online alle verfügbaren Produkte sichten und werden frei Hausbeliefert.Voraussetzung ist ihre anerkannte Gemeinnützigkeit und ein Vertrag darüber, die Spende ausschließlich gemäß Satzung oder für ihre Verwaltung zu verwenden.
Etwa 1.000 Produkte sind im Sortiment, gespendet von mehr als 25 Unternehmen, darunter so große wie Amazon, Beiersdorf und dm. Vermittelt wurden bereits Waren im Wert rund sechs Millionen Euro. „Das eingesparte Geld können die sozialen Einrichtungen für ihre eigentlichen Aufgaben verwenden.“

Dabei gibt es tonnenweise Produkte, die Firmen als unverkäuflich aussortieren. Zwei bis drei Prozent aller Waren trifft die Auslese, zeigt eine Analyse der Boston Consulting Group für innatura. Verwendbar sind davon in Deutschland Produkte im Wert von zwei Milliarden Euro – mindestens. „Und sie werden trotzdem entsorgt, weil Spenden teurer sein kann“, sagt Kronen.

Tatsächlich müssen Firmen für Sachspenden Umsatzsteuern abführen – und die können höher sein als die Entsorgungskosten, bestätigt Franz Plankermann vom Deutschen Steuerberaterverband. „Auch die Spende wird ja aus dem Betriebsvermögen entnommen, ihr Wert muss abgebucht werden wie bei einem Verkauf.“ Den Wert bei Aussortiertem zu beziffern, sei die größte Schwierigkeit für Betriebe, er kann auch bei null Euro liegen. „Das wissen aber viele nicht.“

Für gespendete Lebensmittel kurz vor Ablaufdatum ist genau das seit 2012 offiziell vom Bundesfinanzministerium bestätigt worden. „Für Sachspenden muss es auch so eine klare Regelung geben wie für Spenden an die Tafeln“, sagt innatura-Chefin Kronen. „Dann gibt es bei Unternehmen viel mehr Spendenbereitschaft.“

Das glaubt auch Manuela Rousseau, Social-Responsibility-Leiterin bei Beiersdorf. Das Unternehmen spendet zum Beispiel Nivea-Creme, Duschgels oder Sonnenmilch – „einwandfreie Ware, aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr für den Verkauf geeignet“. Manchmal werde in der Produktion unterfüllt: „Cremedosen mit zwei Gramm weniger drin als angegeben können nicht in den Handel.“ Oder nach einem Regensommer komme ein Teil des Sonnenschutzmittelsortiments aus dem Handel zurück.

Vorher habe man die Produkte größtenteils entsorgen lassen. Immer wieder seien zwar Sachspenden-Anfragen gekommen, „oft aber nach winzigen Mengen, was für uns in der Abwicklung zu aufwendig ist“. Auch dass Markenware auf den Schwarzmarkt kommen könnte, sei eine große Sorge gewesen. „Die Prüfung der Empfänger nimmt innatura uns ab“, sagt Rousseau. „Wir müssen nicht mehr wegwerfen, verschwenden weniger Ressourcen und spenden auch wirklich für einen guten Zweck.“