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Abschrift des Artikels “Den Überfluss umleiten“ aus dem Alnatura Magazin vom August 2015 (Seiten 40-41); Gastbeitrag von Svenja König.

Nachhaltige Innovationen

Den Überfluss umleiten

Sachspenden für gemeinnützige Organisationen – Wie das Sozialunternehmen innatura die Herausforderungen Überfluss und Bedürftigkeit annimmt

Es sind zwei Seiten unserer Gesellschaft: zum einen die Erwartung möglichst unbegrenzten Konsums und entsprechend eine ausufernde Warenproduktion – so sehr, dass jährlich Verbrauchsgüter im Wert von schätzungsweise sieben Milliarden Euro vernichtet werden, da sie schlicht überflüssig sind; zum anderen die steigende Zahl der von Armut bedrohten Mitbürger sowie der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen und häufig nicht einmal das Nötigste zum Leben haben. Diese Menschen fallen aus den unterschiedlichsten Gründen durch das Raster der Konsumgesellschaft, an deren Spielregeln sie sich nicht halten können und in der sie doch leben – gemeinsam ist ihnen, dass sie Hilfe benötigen oder zumindest von einer Unterstützung profitieren können. Und das nicht nur zu ihrem eigenen Wohl, sondern im Sinne der ganzen Gesellschaft.

DIE LÖSUNGSIDEE. Juliane Kronen, Unternehmerin und Beraterin aus Köln, hatte die Idee, beide Probleme miteinander in Einklang zu bringen und damit einen doppelten Nutzen zu erzielen. Kronen, selbst langjährig ehrenamtlich tätig und als Stiftungsvorstand der Right Livelihood Award Foundation (die jährlich den „Alternativen Nobelpreis verleiht) der Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung verpflichtet, stellte sich die Frage: Was wäre, wenn man überschüssige Waren, die ansonsten vernichtet würden, den Menschen zugänglich machte, die diese Dinge dringend benötigen? Denn vernichtet werden bei weitem nicht nur ausgefallene Artikel, sondern in erster Linie Produkte des alltäglichen Bedarfs: unter anderem Wasch- und Reinigungsmittel ebenso wie Bettwäsche, Hygieneartikel, Windeln und Spielzeug.Warum also nicht den Helfenden helfen und so gleichzeitig etwas für den sozialen Nutzen wie für den Umweltschutz tun?

Der Gedanke von innatura war geboren. Kronen gründete gemeinsam mit zwei ehemaligen Kollegen das Sozialunternehmen, das seit Ende 2013 Deutschlands erste Plattform für die Verteilung fabrikneuer Sachspenden an gemeinnützige Organisationen betreibt. Pate stand die britische Charity „In Kind Direct“, die inzwischen mit innatura ein internationales Netzwerk aufgebaut hat, in dem Spenden grenzübergreifend eingeworben und verteilt werden und dessen Präsident, der sozial sehr sehr engagierte britische Thronfolger Prinz Charles ist.

WIN-WIN.SITUATION. Von dem Konzept profitieren viele: Gemeinnützige Organisationen können nach einer unverbindlichen Registrierung Waren bei innatura bestellen. Dafür zahlen sie nur eine geringe Vermittlungsgebühr, von der innatura einen Teil der Kosten für Lagerung, Verwaltung und Personal deckt. Händler und Hersteller haben durch innatura die Möglichkeit, überschüssige Produkte zu spenden und so zum Umweltschutz beizutragen. Dabei können sie sicher sein, dass ihre Marke geschützt und die Spende einem guten Zweck zugeführt wird.

Erstausstattung für Flüchtlinge, Schlafsäcke für Obdachlose – so vielfältig die Waren sind, die innatura vermittelt, so groß ist die Bandbreite der Zielgruppen, die diese Waren erhalten: Die rund 1000 gemeinnützigen Organisationen, die bislang bei innatura registriert sind, unterstützen zum Beispiel Obdachlose, Flüchtlinge, Suchtkranke, Senioren sowie bedürftige Menschen weltweit. Indem die Organisationen mit innatura ihre Budgets entlasten, ist es ihnen möglich, ihre Arbeit auszuweiten, also zum Beispiel Therapieangebote zu erweitern oder Freizeitveranstaltungen zu organisieren. So können sie mehr sozialen Nutzen stiften und Budgetkürzungen kompensieren. Dr. Antje Schwartz, Geschäftsführerin der „kids in berlin kib gUG“, einer Organisation, die verschiedene Einrichtungen für Berliner Kinder betreibt, bringt den Nutzen von innatura auf den Punkt: „Das Angebot der innatura ist für die Tätigkeit in der freien Jugendhilfe, wo das Geld leider immer knapp ist, wirklich eine große Hilfe!“

BABYKLEIDUNG VON ALNATURA Seit diesem Frühjahr ist auch Alnatura Teil des Spendernetzwerks von innatura: Eine Großspende an fair gehandelter Babykleidung aus Bio-Baumwolle wird aus dem innatura-Lager an gemeinnützige Organisationen verteilt, die Einrichtungen wie Kinderheime, Beratungszentren oder Flüchtlingsunterkünfte betreiben. innatura-Geschäftsführerin Kronen freut sich über den neuen Kooperationspartner: „Es ist wunderbar, dass wir in Alnatura einen neuen Partner gefunden haben – zumal die Zielsetzung unser beider Unternehmen ganz ähnlich ist. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung sind zwei große Herausforderungen unserer Zeit, deren Realisierung wir gemeinsam ein Stück näher kommen können.“