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Abschrift des Artikels „Brücken bauen zwischen der Profit- und der Non-Profit-Welt“ – Seite 14 Alumni Kölner Universitätszeitung 02.2013

Brücken bauen zwischen der Profit- und der Non-Profit-Welt

Dr. Juliane Kronen über ihr Engagement für den „Alternativen Nobelpreis“ und die Herausforderungen im Berateralltag

Juliane Kronen, geboren 1963 in Neuss, studierte Betriebswirtschaftlehre mit  den Schwerpunkten Betriebswirtschaftliche Planungslehre, Revisions- und  Treuhandwesen sowie Informatik an der Universität zu Köln. Während ihres  Studiums war sie Fulbright-Stipendiatin an der University of Missouri in  Columbia (Abschluss b.S. in Accountancy). 1994 promovierte sie an der  Universität zu Köln über „Die konstituierende Rolle von Informationssystemen  für Strategiepotentiale unternehmerischer Kooperationen“.

Von 1994 bis 2010 war Frau Dr. Kronen bei The Boston Consulting Group (BCG) tätig. Sie durchlief eine beispielhafte Karriere vom Associate über die Projektleiterin und Managerin bis hin zur Partnerin: Von 2002 bis 2010 war sie Geschäftsführerin und Partnerin bei BCG in Köln. Ihr Schwerpunkt lag in der Verzahnung von Unternehmens-
und IT-Strategie, ihre Kunden kamen überwiegend aus dem internationalen Technologie- und Telekommunikationssektor. Juliane Kronen war bei BCG zudem Global industry leader „IT in  telecommunications“ sowie Global co-leader „Telco transformation“.
Als Leiterin Europa der weltweiten „Women’s Initiative“ sorgte sie von 2004 bis 2007 dafür, den Anteil der Beraterinnen zu erhöhen. Zudem verantwortete sie bei BCG diverse Projekte
der „Social Impact“-Praxis: Strategiearbeit für Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen und gemeinnützige Organisationen.
Seit 2010 ist Juliane Kronen als Selbstständige für gemeinnützige Organisationen tätig und  arbeitet freiberuflich für die BCG. Sie ist Gründungsgesellschafterin der „World Music  Academy“ in Berlin (Gründung 2010) sowie der „innatura gGmbH“, eine Plattform zur Vermittlung neuwertiger Sachspenden an gemeinnützige Organisationen in Deutschland  (Gründung 2011). Juliane Kronen engagiert sich als Trustee und Jury-Mitglied für die Right  Livelihood Award Foundation, die alljährlich den „Alternativen Nobelpreis“ vergibt. Zudem ist sie Vorstandsmitglied im Amerika Haus e.V. NRW. Seit 2002 ist Juliane Kronen Mitglied bei  KölnAlumni – Freunde und Förderer der Universität zu Köln e.V.

Wie war Ihr Studium an der Universität zu Köln? Was waren die Höhepunkte in Ihrer Studienzeit?
Mein Studium war intensiv und vielschichtig. Zum einen betrieb ich im Grundstudium noch   Leistungssport (Rudern), so dass ich das Studium von Anfang an gut organisieren musste.  Zum anderen wollte ich von Anfang an möglichst früh für ein Studienjahr in die USA und habe  daher das Grundstudium nach dem 3. Semester abgeschlossen. 1984 ging ich mit einem   Fulbright-Stipendium an die University of Missouri in Columbia und wurde – natürlich  beabsichtigt – gezwungen, mir an einem fremden Ort ein vorübergehendes Zuhause zu   schaffen, mich mit meinen Überzeugungen auseinanderzusetzen, erstmalig selbst    „Ausländerin“ zu sein. Die wichtigste Erfahrung dieser Aufenthalte ist, dass sie uns zur  Differenzierung zwingen. Fortan ist es nicht mehr möglich, nur noch die eigene Sichtweise auf  die Dinge gelten zu lassen. Mein Engagement für die transatlantischen Beziehungen ist   seitdem ungebrochen – siehe auch Amerika Haus e.V. NRW. Nach dem Bachelor habe ich im  Hauptstudium dann die Kombination von Informatik und Planungslehre verfolgt, und so   entstand mit der Verknüpfung von Unternehmensstrategie und Informationstechnologie einer  der roten Fäden meiner Ausbildung und Berufstätigkeit, aber auch die Auseinandersetzung    mit der Wissenschaftstheorie. In einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Planungsseminar habe ich Gründerspiele entwickelt, und die empirische Arbeit für meine eigene Diplomarbeit über Unternehmensgründerinnen konnte ich im Rahmen eines kurzen Praktikums im Weißen Haus leisten. Bei der Gesellschaft für Mathematik und  Datenverarbeitung durfte ich das Spannungsfeld Strategie und IT weiter aufziehen und in der inspirierenden Zusammenarbeit mit meinem Doktorvater Professor Szyperski mit einer Promotion abschließen.

Sie waren lange Jahre Geschäftsführerin und Partnerin bei The Boston Consulting Group. Welche Tipps geben Sie Studierenden und AbsolventInnen, die ihren Berufeinstieg in die Beratung planen?
Wer in die Beratung gehen möchte, sollte vor allem prüfen, ob der Beruf der richtige ist – und sich nicht von Reputation und Gehältern locken lassen. Man muss Spaß, ja geradezu Lust an der Erkenntnis haben, die intellektuelle Neugier und den Drang verspüren, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen. Man muss verstehen wollen, wie Dinge
„ticken“, um die Kernfrage „Welche ist die richtige Strategie?“ zu beantworten. Zugleich muss man Freude daran haben, Menschen zu bewegen, Dinge tatsächlich zu verändern. Das erfordert Geduld
und Respekt und die Erkenntnis, dass ein Berater durch eine andere Sichtweise Wert schafft, aber nicht denjenigen überlegen ist, die erfolgreich im Tagesgeschäft bestehen.
In der täglichen Arbeit ist „Geländegängigkeit“ unerlässlich, die Parallelen zum Off-Road-Fahren sind zahlreich: Auch wenn das Ziel klar ist, hängt der Weg dorthin immer von konkreten Umständen
ab, die nur begrenzt planbar sind. Oft sind Umwege notwendig – und die sind spannender als gedacht. Den richtigen Weg zu wählen, ist Teil der Reise und der Erkenntnis.
Gelegentlich wird man durchgeschüttelt – eine gewisse Robustheit ist hilfreich.
Man sollte Spaß haben, individuelle Wege und Instrumente zum Ziel zu entwickeln. Sir Karl Popper lässt grüßen, bedeutet doch „Muddling Through“, dass man sich angstfrei
auf die Reise macht, weil man weiß, dass man von jedem Ausgangspunkt Ideen entwickeln wird, welche nächsten Schritte zu tun sind. Man sollte Spaß an engagiertem
Einsatz haben: Wer Verantwortung hat und Verantwortung für andere übernimmt, seien es Mitarbeiter oder Kunden, sieht Work und Life nicht als zwei Sphären, bei denen
das Ziel ist, die eine zu minimieren, um die andere zu maximieren, sondern erlebt die Aufgabe als Quelle der Identifikation.
Die Beratung ist einer der besten Wege, um in kurzer Zeit viel zu lernen und sich zahlreiche berufliche Optionen zu erarbeiten. Um diese zukünftigen Freiheitsgrade
zu haben, ist hohes Engagement unerlässlich – mit anderen Worten: Erfolgreiche Beratung mit angezogener Handbremse ist nicht möglich.

Sie sind im Vorstand der Right Livelihood Award Foundation. Welche persönliche und gesellschaftliche Bedeutung hat die alljährliche Vergabe des Right Livelihood Awards für Sie? Was sind Ihre Aufgaben als Vorstandsmitglied?
Der Right Livelihood Award ist in den deutschsprachigen Ländern auch als „alternativer Nobelpreis“ bekannt. Seit über dreißig Jahren werden Menschen mit ihm ausgezeichnet,
die sich – häufig unter Einsatz ihres Lebens – dafür einsetzen, die Lebensbedingungen auf dieser Erde zu verbessern, indem sie praktische Lösungen für die Probleme unserer Erde entwickeln und
umsetzen. Es gibt viele Menschen, die Gutes tun. Und ebenso viele, die Theorien entwickeln, was man verändern müsste, um die Welt für alle gerechter, besser, gesünder etc. zu machen.
Aber nur wenige stellen tatsächlich die Spielregeln infrage, verändern sie und verbessern so das Leben vieler Menschen nachhaltig. Genau diese Menschen sind Kandidaten für den Preis. Waren
die Wirkungsfelder unserer Preisträger – Umwelt, Menschenrechte, Nachhaltigkeit etc. – vor dreißig Jahren noch „exotisch“, so sind diese Themen inzwischen „in der Mitte der Gesellschaft“ und
auch in vielen Unternehmen angekommen, die Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Ökonomie und Ökologie schaffen. Unsere Preisträger sind Vorbilder und machen Mut, der Preis zeichnet sie
aus, macht sie bekannt und schützt sie. Beeindruckende Beispiele wie Gene Sharp, den „Macchiavelli der Gewaltlosigkeit“ finden Sie unter www.rightlivelihood.org.
In meiner Funktion baue ich in vielfältiger Weise die Brücken zwischen der Profit- und der Non-Profit-Welt. Ich zeige Unternehmen auf, warum ein Engagement für den Preis und unsere Preisträger für
sie sinnvoll ist. Genauso kann ich vielen, die im Non-Profit-Bereich arbeiten und unserer Wirtschaftsordnung kritisch gegenüber stehen, nahe bringen, dass Unternehmen sich verändern, weil Menschen
in ihnen arbeiten. In meiner Arbeit kann ich auf das gesamte erlernte „Handwerkszeug“ aus meiner Ausbildung und Beratertätigkeit bauen und so die sinnvolle Arbeit der Stiftung voranbringen. Zugleich lerne
ich weiterhin täglich dazu und erweitere immer noch meine eigene „Komfortzone“ – eine Recherche vor Ort im Ostkongo ist doch etwas anders als ein Kundenworkshop in Oslo.
Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt mich übrigens auch im täglichen Leben: Mit innatura habe ich mit ehemaligen BCG-Kollegen ein gemeinnütziges Unternehmen gegründet, das unter der Schirmherrschaft
des Prince of Wales als Business-to-business-Plattform von Unternehmen neuwertige Sachspenden einwirbt und diese an gemeinnützige Unternehmen für einen Bruchteil ihres Marktwertes vermittelt.

Das Interview führte Christina Lorrai (KölnAlumni – Freunde und Förderer der Universität zu Köln e. V.)