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Abschrift des Artikels „Angetreten, um sozialen Nutzen zu stiften – Das Beispiel einer deutschen Sozialunternehmerin“ aus VivArt Wiesbaden & Rheingau vom 01. März 2014

Angetreten, um sozialen Nutzen zu stiften – Das Beispiel einer deutschen Sozialunternehmerin

 

Armut gibt es woanders, nicht in Deutschland – so könnte man glauben. Vor allem, wenn man im wohlhabenden Rhein-Main-Gebiet mit seiner Dichte an luxuriösen Autos lebt. Dass dieser Eindruck trügt, dies bewies zuletzt wieder die jüngste Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes. Danach leidet knapp jeder fünfte deutsche Bürger an Armut oder sozialer Ausgrenzung.

Diesen Menschen mangelt es an Geld, an akzeptablen Wohnverhältnissen, an den nötigsten Dingen des täglichen Lebens. Produkte, von denen jedes Jahr unzählige vernichtet werden, weil sie falsch etikettiert, fehlerhaft verpackt wurden oder die Verpackung schadhaft bzw. veraltet ist. Auf sieben Milliarden Euro soll sich der jährlich vernichtete Warenwert belaufen, und so unsinnig das aus Konsumentensicht klingen mag, es ist für die beteiligten Unternehmen eine bequeme und zugleich günstige Alternative, den Ausschuss loszuwerden. Viel zu lang blieb dieser Zustand von der Öffentlichkeit unbemerkt, bis zu jenem Tag, an dem der Zufall es anders wollte.

An diesem Tag klingelte das Telefon der Unternehmensberaterin Juliane Kronen. Ein ehemaliger Kollege, der mittlerweile bei einem bekannten Markenartikler beschäftigt war, rief an. Er hätte 200.000 Flaschen falsch etikettierten Shampoos, die er entsorgen müsse, wenn sich keine Verwendung finden lasse. Kronen hätte doch aus ihrer Arbeit für Social-Impact-Projekte bei BCG und als engagierte Ehrenamtliche ein großes Netzwerk und es müsse sich doch über ihre Kanäle ein Abnehmer finden lassen.

Trotz intensiver Recherchen fand sich niemand, denn keine der angefragten Organisationen verfügte über die nötige Lagerfläche oder Bedarf in dieser Größenordnung. Kronen aber war durch den Anruf auf ein Problem gestoßen, das sie nicht mehr losließ. »Wenn man einmal die Dimension des Problems erkannt hat, dann kann man nicht mehr wegschauen, dann muss man einfach handeln«, beschreibt die promovierte Betriebswirtin den Impuls von damals.

Bei ihren Recherchen stieß Kronen bald auf das englische Unternehmen ›InKind-Direct‹, das unter prominenter Schirmherrschaft von Prinz Charles Ausschusswaren einsammelt, zwischenlagert und gegen eine Vermittlungsgebühr an gemeinnützige Organisationen verteilt.

Dieses Modell schwebte auch Kronen vor, aber beim ersten Sondierungsversuch bei den Briten zeigten diese sich zunächst noch unbeeindruckt von Kronens Erfahrung und Kontakten in die Industrie. Erst als sie glaubhaft versichern konnte, dass sie auch die operative Seite des Geschäfts beherrsche – schließlich sei sie schon als Studentin Tankwagen gefahren – nahm man sie ernst.

2013 war es dann soweit. Das mit zwei Kollegen entwickelte Geschäftsmodell war ausgereift und ›Innatura‹ konnte als gemeinnützige GmbH gegründet werden. Die erste Spende ging auch bald darauf ein: Den Anfang machten zwei Lastwagenladungen mit Auslaufmodellen von Babywindeln. Mittlerweile sind im Lager von Innatura schon über 700 verschiedene, zum Teil sogar hochwertigen Produkte verfügbar und ein Online-Shop ist in Arbeit, über den diese Waren künftig vertrieben werden.

Noch trägt sich das Projekt trotz Erhebung einer Vermittlungsgebühr nicht selbst und ist auf Förderer angewiesen. Einer der ersten Unterstützer die Innatura gewinnen konnte, war die Frankfurter Bethmann Bank. Gesellschaftliches Engagement hat bei der Bethmann Bank eine lange Tradition. »Schon die Gründer aus der Familie Bethmann haben eine Verantwortung für die Gesellschaft gefühlt und sich sozial engagiert«, sagt Stephan Isenberg, Mitglied des Vorstands der Bethmann Bank. »Wir waren von der wichtigen Arbeit von Innatura sofort überzeugt. Die Idee zu spenden statt wegzuwerfen verbindet den guten Zweck mit einem nachhaltigen wirtschaftlichen Modell«, so Isenberg.

Neben der reinen finanziellen Unterstützung hat die Bank die Aufgabe mitübernommen, Innatura noch bekannter zu machen und wichtige Kontakte zu vermitteln. »Wir haben sehr viele Kunden aus dem unternehmerischen Bereich. Denen bringen wir diese Idee nahe und können so dazu beitragen, dass Innatura Sachspenden zufließen.«
Man setzt in Frankfurt also voller Überzeugung alles daran, dass das große Ziel von Juliane Kronen Realität wird: In fünf Jahren will die Unternehmerin Waren im Wert von 40 Mio. Euro vermittelt haben.

 

VivArt Wiesbaden & Rheingau, Frühjahrsausgabe 2014, Erscheinungsdatum 1. März 2014
http://www.vivart.de/122